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Foto: David Kotrba
Präsentation des Ladestellennetzwerkes Ö-Hub vor dem Wiener Burgtheater

E-Mobilität

Elf Energieversorger starten größtes E-Ladenetz des Landes

Letztes Update am 20.03.2017, 12:46

Elf österreichische Energieunternehmen haben im Projekt ÖHUB das größte flächendeckende Ladenetz für Elektrofahrzeuge errichtet. Bis Ende 2017 umfasst es 2000 Ladepunkte.

Durch den Zusammenschluss der Ladeinfrastruktur von elf österreichischen Energieversorgern soll Stromtanken künftig einfacher denn je werden. Am Montag wurde der ÖHUB offiziell vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine Plattform, die alle Ladestationen der elf Betreiber vernetzt. Wer bereits eine Chipkarte für die Stationen eines Energieversorgers besitzt, kann ab sofort damit auch Stationen der Vertragspartner in ganz Österreich nutzen.

Ende für den Kartensalat

"Bis jetzt musste man für überregionale Fahrten mit dem Elektroauto einen ganzen Kartensalat mitführen. Heute sind wir einen guten Schritt weiter", meinte Umweltminister Andrä Rupprechter bei der Vorstellung des ÖHUB in Wien. Verkehrsminister Jörg Leichtfried ergänzte: "Elektromobilität ist die Zukunft, muss aber alltagstauglich, leistbar und zuverlässig sein. Ein gemeinsames Ladenetz ist dafür unbedingt notwendig."

Offene Stationen

Zum Start sind 1.300 öffentliche Ladepunkte zwischen Wien und Bregenz Teil des ÖHUB. Welche Stationen dazu zählen und ob sie verfügbar sind, soll man im E-Tankstellen-Finder erfahren. Bis Ende 2017 sollen 2.000 Ladestationen an die Plattform angeschlossen sein. Sie werden sowohl mit der Chipkarte eines der elf Energieunternehmen, als auch mit Kreditkarte oder der Mitgliedschaft bei diversen Online-Zahlungsanbietern nutzbar sein. Voraussetzung für Letzteres ist das Mitführen eines Smartphones mit Kamera und QR-Code-Reader. Damit sollen die Ladestationen allen Elektromobilnutzern offen stehen, auch jenen, die keine Kunden der ÖHUB-Partner sind.

Projekt seit 2015

Der ÖHUB wurde vom Bundesverband Elektromobilität Österreich (BEÖ) entwickelt, der gemeinsamen Interessenvertretung der elf Partner Energie AG Oberösterreich, Energie Burgenland, Energie Graz, Energie Steiermark, EVN, Innsbrucker Kommunalbetriebe, Kelag, LINZ AG, Salzburg AG, VKW und Wien Energie. Das Projekt wurde 2015 vom Klima- und Energiefonds ausgeschrieben und vom BEÖ umgesetzt.

Wettbewerb

"Es gibt ein großes Bild von Elektromobilität, das sich aus vielen Puzzlesteinen zusammensetzt und die müssen ineinander greifen", meint BEÖ-Vorstandsvorsitzender Jürgen Halasz. "Was es braucht ist Interoperabilität." Das Schlagwort der Pressekonferenz, das nicht allen Beteiligten leicht über die Lippen kommt, beinhaltet neben der Reduktion der Zugangskarten auch die Erweiterung des Marktes für jeden einzelnen der Projektpartner. Die Energieunternehmen treten Elektromobilnutzern gegenüber künftig als "E-Mobility-Provider" auf. Jeder kann bundesweit eigene Tarifmodelle anbieten und damit in Konkurrenz zu den Projektpartnern treten. Auch das soll der Elektromobilität in Österreich Schwung verleihen.

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Vor dem Burgtheater parkten 11 Elektroautos der Projektpartner - Foto: David Kotrba

E-Mobil-Verbreitung beschleunigen

"Wir waren bis jetzt schon sehr erfolgreich", meint Leichtfried. Gemeinsam mit Rupprechter betont er die jüngste Errungenschaft: "Wir sind EU-Spitze, was Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen betrifft." Gemeint sind die Zulassungzahlen 2016, die ein Wachstum bei vollelektrischen Autos von 128 Prozent brachten. Für Elektrofahrzeuge, die seit 1. Jänner 2017 neu zugelassen wurden, kann seit März eine Ankaufsförderung beantragt werden. Privatpersonen erhalten etwa 4000 Euro für ein E-Auto, 1500 Euro für einen Plug-In-Hybrid und 750 Euro für bestimmte Elektromotorräder. Laut Rupprechter seien bereits Förderanträge für 1500 Fahrzeuge eingegangen. "Unsere Motivation ist es, den Elektromobiltrend weiter zu beschleunigen", meint Leichtfried.

Internationale Vernetzung

Der Verkehrsminister gibt aber auch zu bedenken, dass das Tankverhalten bei Elektroautos nicht dasselbe wie bei Autos mit Verbrennungsmotoren ist. Hauptsächlich aufgeladen werden sollen sie daheim oder am Arbeitsplatz. Die Errichtung dieser Ladestationen wird vom Bund gefördert. Der ÖHUB soll allerdings eher als Ergänzung gesehen werden, um längere Fahrten zu erleichtern. Das möglichst einfache Stromtanken soll sich nicht nur auf Bundesgebiet beschränken, sondern auch im Ausland fortgesetzt werden. Der ÖHUB kooperiert mit dem Hubject-Netzwerk, das Partner in 17 Ländern hat. Dessen offene Schnittstelle ermöglicht die einfache Erweiterung. Der private österreichische Ladenetzanbieter Ella habe etwa Interesse bekundet, sich mit ÖHUB zu vernetzen, meint Halasz. Technisch sei das ohne Weiteres umsetzbar, lediglich ein Vertrag sei notwendig.

Konkurrent Smatrics

Ein bundesweites Ladenetz inklusive Anbindung zu internationalen Partnern betreibt bereits die Verbund-Tochter Smatrics. Zum Start von ÖHUB gibt der Konkurrent zu bedenken, dass bei den derzeit 1300 und in naher Zukunft 2000 Ladestellen des neuen Netzwerks sämtliche Lademöglichkeiten, von der 220-Volt-Schukosteckdose bis zur Schnellladestation miteingerechnet sind. Das ÖHUB biete derzeit 36 Schnellladestandorte mit Ladeleistungen von 50 Kilowatt, Smatrics dagegen 66. Das Unternehmen plane außerdem neue Ultra-Schnellladestationen mit 350 Kilowatt-Ladesäulen.

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Manfred Stohls Elektro-Rallye-Auto - Foto: David Kotrba

Positive Emotionen

An der Verbreitung der Elektromobilität wird also allerorts fieberhaft gearbeitet. "Das Benzinauto wird sich künftig warm anziehen können", ist auch Ex-Rallyefahrer Manfred Stohl überzeugt. "Ich dachte ja am Anfang auch, dass es bei Elektroautos am Motorgeräusch fehlt. Aber das ist eher ein Problem der älteren Generationen und ich zähle mich dazu." So richtig begeistert haben Stohl aber die Fahrleistungen seines neuen Elektro-Rallyeboliden (600 PS, 800 Nm Drehmoment).

Ingmar Höbarth, der Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds, gibt zu bedenken, dass positive Emotionen für Elektromobilität derzeit noch hie und da durch veraltete Regeln und Verordnungen getrübt werden, etwa bei der Errichtung privater Ladestationen: "Diese Hürden müssen abgebaut werden. Die passen mit der Elektromobilität nicht mehr zusammen." Zur Verbesserung der Akzeptanz von Elektromobilität beitragen sollen künftig auch flexiblere Abrechnungsmodelle in Parkgaragen mit Ladestationen sowie neue Carsharing-Lösungen. BEÖ-Chef Halasz ist aber überzeugt: "Da wird demnächst einiges kommen, da bin ich mir sicher."

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Erstellt am 20.03.2017 12:46 Uhr

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